Sprach-Glossar

Spracherwerb

Definition

Der Spracherwerb ist ein eigenaktiver, ko-konstruktiver Prozess, bei dem Kinder in sozialen Interaktionen sprachliche Regeln intuitiv und meist unbewusst erfassen. Dieser komplexe Vorgang umfasst die Entwicklung von Sprachverständnis und Sprachproduktion – von Lautbildung über Wortschatz bis hin zur Satzkonstruktion und Erzählstruktur. Der Spracherwerb vollzieht sich durch ein responsives, sprachanregendes Umfeld, in dem Kinder Bedeutungszusammenhänge entdecken und eigenständig Hypothesen über ihre Sprache(n) bilden.

Fakt oder falsch?

Stimmen die folgenden Aussagen? Die Lösungen erfahren Sie, wenn sie auf die jeweilige Aussage klicken bzw. tippen. 

Stimmt diese Aussage?

Kinder lernen Sprechen ausschließlich durch das Nachahmen von Erwachsenen.

Stimmt so nicht ganz!

Nachahmung spielt zwar eine Rolle, aber Kinder sind vor allem aktive Konstrukteure, die eigene Theorien über Sprachregeln bilden. Dies wird besonders bei logischen Fehlern wie gegeht statt gegangen deutlich, da das Kind hier eine gelernte Regel selbstständig auf ein neues Wort übertragen hat.

Stimmt diese Aussage?

Mehrsprachigkeit überfordert das Gehirn und führt zu Verzögerungen im Spracherwerb.

Stimmt nicht!

Das menschliche Gehirn ist darauf ausgelegt, mehrere Sprachen gleichzeitig zu lernen, sofern beide Sprachen fortlaufend und wertschätzend im Alltag eingebettet sind. Zwar mischen Kinder anfangs manchmal Wörter (Code-Switching), doch das ist kein Zeichen von Überforderung, sondern ein Beweis für eine hohe kognitive Flexibilität.

Stimmt diese Aussage?

Das Sprachverständnis entwickelt sich deutlich vor der Sprachproduktion.

Stimmt!

Lange bevor ein Kind das erste Wort wie Auto oder Ball sicher ausspricht, versteht es bereits komplexe Aufforderungen und Zusammenhänge im Alltag. Diese passive Sprachkompetenz bildet das Fundament, auf dem die aktive Sprechfähigkeit dann sicher aufgebaut wird.